Texte aus und von politischen „Extremwetterlagen“
Musikalische Lesung von Manja Präkels (Texte, Ukulele, Gesang) und
Benjamin Hiesinger (Kontrabass)
27. März um 19:00 Uhr, Uferhaus Werder
„Ich stehe am Ufer der vereisten Oder. Atme. Ein. Ein. Ein. Bekomme die Luft nicht wieder aus den Lungen gedrückt. Stattdessen kreist weiter die Frage eines Schülers in meinem Kopf: ›Frankfurt lag in der DDR?‹ Mit echtem Erstaunen in seinem Blick. Mein Körper erinnert sich an einen dieser Fahnenappelle im Winter. Gesenkte Köpfe. Angst vor einem Tadel. Auch vor Lob. Die erlösende Klingel. Ausatmen. Aus. Aus. Die Oder fließt ins Baltische Meer. Meine Gedanken folgen den Fischen durch Raum und Zeit.“
Im „Superwahljahr“ 2024 startete ein außergewöhnliches literarisch-soziologisches Projekt. Mit Manja Präkels, Tina Pruschmann und Barbara Thériault schickte die Universität Leipzig drei namhafte Autorinnen als „Überlandschreiberinnen“ aus, um im Umfeld der Landtagswahlen die Stimmung in Sachsen, Thüringen und Brandenburg zu ergründen, verborgene gesellschaftliche Brüche und Kipppunkte sichtbar zu machen. Manja Präkels besuchte dafür gezielt zivilgesellschaftliche Initiativen und Brennpunkte in Brandenburg, Tina Pruschmann fuhr mit dem Fahrrad in entlegene Regionen im sächsischen Erzgebirge und Barbara Thériault heuerte als Lokaljournalistin bei einer thüringischen Zeitung an, während Projektleiter Alexander Leistner mentale Entwicklungslinien in Ostdeutschland in den Blick nahm, deren Anfänge teils noch vor 1989 zu verorten sind.
Das daraus entstandene Buch„Extremwetterlagen. Reportagen aus einem neuen Deutschland“ (Verbrecher Verlag, 2025) versammelt viele der so entstandenen Texte über Menschen, die wegsehen und schweigen, und solche, die tagtäglich ihr Bestes geben, um im tobenden Sturm der Umwertung aller Werte weiter gegen den Wind zu atmen.
In Begleitung ihres Bandkollegen Benjamin Hiesinger am Kontrabass stellt Manja Präkels das Buch vor. Dabei liest und singt sie auch weitere literarische Texte, die bei ihren Recherchefahrten durch Brandenburg entstanden.
Manja Präkels, 1974 in Zehdenick/Mark geboren, lebt als freie Autorin, Komponistin und Sängerin der Band Der Singende Tresen in Berlin. Ihr in mehrere Sprachen übersetzter Debütroman „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“ (Verbrecher Verlag) wurde u.a. mit dem Anna Seghers Preis 2018 und dem Deutschen Jugendliteraturpreis 2018 ausgezeichnet.
Benjamin Hiesinger, 1980 in Memmingen geboren, lebt als Musiker und mehrfach ausgezeichneter Komponist in Berlin. Seit 2005 ist er festes Mitglied von Manja Präkels Band Der Singende Tresen.
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Texte: Manja Präkels
Musik: Manja Präkels, Benjamin Hiesinger
Wann: Freitag, 27. März 2026, 19:00 Uhr
Wo: Uferhaus Werder, Luisenstraße 19 E (Eingang über Wendehammer Luisenstraße)
Eintritt frei – Spenden willkommen
Eine Veranstaltung des Aktionsbündnis Weltoffenes Werder. Gefördert durch die Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung.